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Der prächtige Efeu vor gotischer Fassade - Pro und Contra - oder von beiden ein bisschen?


Wie alt ist der Efeu?

Diese Frage stellen die Gäste bei den Führungen zur Geschichte der Buckower Wallfahrtskirche bei Nennhausen immer wieder. Fast der gesamte Westgiebel ist vom Efeu überwuchert und reicht schon bis zum Dach des über 20 Meter hohen Turms. Der mächtige Stamm am Fuße desselben lässt auf ein stattliches Alter schließen.

Auf einer Postkarte von 1935 sieht man noch keinen Efeu ranken. Außerdem ist bekannt, dass in den 1930er Jahren rund um die Kirche der Sockel saniert wurde. Man kann gut erkennen, dass die damals neu eingesetzten, abgerundeten Ziegelsteine am kräftigen Efeustamm nicht unterbrochen sind. Aufgrund dieser Tatsache kann man davon ausgehen, dass der Efeu jünger als 80 Jahre sein muss. Nun stellen die an Kultur und Architektur interessierten Gäste auch oft die Frage, ob der Efeu die Mauer schädigt oder nicht, d.h. ob er entfernt werden sollte oder am Mauerwerk verbleiben kann. Auch der Förderverein Wallfahrtskirche zu Buckow e.V. beschäftigt sich mit dem Thema. Aber die Antwort ist nicht einfach zu geben. Unter den Experten gibt es zwei Lager: Die einen sagen, der Efeu muss weg, weil er Schäden verursacht und die architektonische Schönheit der spätgotischen Westfassade verdeckt. Die anderen meinen, dann ginge die durch den Bewuchs entstandene romantische Stimmung verloren und bei richtiger Pflege würde der Efeu dem Mauerwerk nicht schaden, sondern sogar eine gewisse Schutzfunktion ausüben. Sicherlich haben beide Ansichten ihre Berechtigung. Als 2013 die Architekturstudenten Anna Meise und Carl Altefrohne ihre Masterarbeit zur Denkmalpflege über die Buckower Kirche schrieben, war auch der Efeu Thema. Hier gab es den Hinweis, dass im Zuge einer Turmsanierung, der als nächster Schritt ins Auge gefasst ist, auch der Efeu zurückgeschnitten werden sollte, um dann eventuelle Schäden dokumentieren und beseitigen zu können. Die beiden wiesen auch darauf hin, dass man den Efeu unten nicht kappen sollte, weil er in diesem Falle anstelle der Haftwurzeln richtige Nahrungswurzeln bilden würde, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden verursachen würden. Besonderes Augenmerk sollte auch auf die Mauerkrone und die Dacheindeckung gerichtet werden. Denn hier kann der Efeu großen Schaden anrichten. Im unteren Mauerbereich hingegen können die Wurzeln oder Stämme im Mauerwerk kaum Schäden verursachen, weil das Mauergewicht dies verhindert. Von Vorteil ist natürlich immer, wenn die Mauerfugen und/oder die Putzschichten in gutem Zustand sind. Diese Meinung teilt auch eine Untersuchung an mehreren Denkmälern in fünf Bundesländern, die in einem Leitfaden über Naturschutz und Denkmalschutz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) veröffentlicht wurde. Hier zeigt sich, dass in 80% der Fällen das Schadenspotential als moderat bis gering einzustufen ist. Im o.g. Bericht wird auch auf den Naturschutzaspekt hingewiesen, denn neben Schmetterlingen, Bienen, Wespen, Spinnen und Schwebfliegen nutzen immerhin 14 Vogelarten die Pflanzen als Nahrungsquelle und teils sogar als Nistplatz. Dies sind gute Argumente für einen kontrollierten Erhalt der Kletterpflanze, gerade auch wenn der kirchliche Auftrag der Wahrung der Schöpfung miteinbezogen wird. In jedem Fall ist klar, dass bei einer Sanierung ein Großteil des Efeus entfernt werden muss, vielleicht bis zu einer angemessenen, sicheren Arbeitshöhe als Kompromiss unter Berücksichtigung architektonischer Elemente. Hier wären dann ein- bis zweimal im Jahr Rückschnitte nötig, die der Förderverein mit seinen Mitgliedern bei den alljährlichen Außengeländepflegearbeiten erledigen könnte. So wäre hoffentlich beiden Lagern gedient. Zuletzt soll nicht unerwähnt bleiben, welch positive Eigenschaften der Efeu an der Fassade auch für jeden Hausbesitzer hat. Der sommerliche Hitzeschutz wird durch die Verschattung enorm verbessert, damit der Einsatz von Klimaanlagen unnötig gemacht und Strom eingespart, also ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Aber auch der Wärmeschutz im Winter ist gegeben. Hier soll das Einsparpotential von Heizenergie bei mindestens 5% liegen. Andere Quellen sprechen sogar von 10 bis 35% und nennen die Fassadenbegrünung die "Dämmung für den armen Mann". Das zu erreichen hängt sicher von vielen Faktoren ab. Auch der BDU spricht in einer Pressemitteilung vom Oktober 2015 im Rahmen seiner Kampagne "Haus sanieren - profitieren" von einer "natürlichen" Klimaanlage: Grüne Fassade schützt vor Hitze und Kälte. Weiter heißt es: Dichter Bewuchs rund um das Haus hat nicht nur einen kühlenden oder wärmenden Effekt. Die Blätter und Zweige fangen als natürliche Staubfilter auch Schadstoffe auf und dämmen Schallwellen ein. Mehr Information zu diesem Thema finden Sie auf www.sanieren-profitieren.de - ein Projekt des DBU. Außerdem erhalten Sie von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. viele nützliche Tipps auf www.gebaeudegruen.info.

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